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Beeindruckende Geschichte

Bereits im Mittelalter wurden in Trattenbach Messer erzeugt. Die Schmiede in diesem engen Seitental der Enns stellten Schermesser aus Scharsach, einem besonders reinen, harten Stahl her, die sie mit hölzernen Griffladen versehen. Irgendwann sind die Trattenbacher Scharsacher auf die Idee gekommen, auf die gleiche Weise Taschenmesser herzustellen. Diese Taschenfeitel (von: falten, zusammenklappen) waren wie die Schermesser von äußerst hoher Qualität, ebenfalls aus Scharsach sorgfältig geschmiedet, gehärtet, geschliffen und poliert. Die Griffe waren aus Ahorn oder Buchenholz gedrechselt und mit Rillen oder Kerben verziert.

Im 16. Jahrhundert müssen diese Taschenfeitel ein wahrer „Renner“ gewesen sein. Denn sie waren bei ihrer hohen Qualität doch recht preiswert - ein Messer fürs Volk. Der günstige Preis konnte erzielt werden, da alle der damals 16 Trattenbacher Messerer „Meister von Stock und Stein“ waren, also alle Teilarbeiten bei der Klingen- und Heftproduktion in ihrer eigenen Werkstatt durchführen konnten. Zur Arbeit wurden alle Familienangehörigen eines Meisters herangezogen. Die Männer arbeiteten am Metall, die Frauen am Holz oder gemeinsam mit den Kindern beim Bohren, Ringbiegen oder Montieren der Taschenfeitel.

Die Messerer der gemeinsamen „Steinbacher Messerer- und Scharsacherzunft“ sahen den Erfolg ihrer Zunftgenossen in Trattenbach gar nicht gerne. Über Jahrzehnte hinweg tobte ein heftiger Streit zwischen Steinbacher Messerern und Trattenbacher Scharsachern, da die Produktion von Taschenmessern in der gemeinsamen Zunftordnung von 1467 nicht eindeutig geregelt war.
Als die Trattenbacher endlich drohten, das Land zu verlassen, wenn die Steinbacher ihnen weiterhin das Recht streitig machen wollten, Feitel herzustellen, wurde ihnen 1680 die Gründung einer eigenständigen Filiallade zur Steinbacher Zunft gestattet, deren Ordnung 1682 von Kaiser Leopold I. bestätigt wurde. In ihrer neuen Handwerksordnung trachteten die Trattenbacher streng danach, daß niemand in ihren kleinen Kreis von 14 bis 18 Scharsachwerkstättten im Ort selbst und etwa gleich vielen in der näheren Umgebung eindrang,aber daß auch niemand die Produktionsgeheimnisse hinaus trug in andere Orte.

Im 19. Jahrhundert hatte das Zunftwesen seine Autorität eingebüßt, und ausländische Konkurrenz sowie der Beginn der Industrialisierung wurden auch im entlegenen Trattenbach spürbar. Der ersten Krise zu Beginn des Jahrhunderts begegneten die Trattenbacher durch die Herstellung verschiedener Feitelmodelle, wie Winzer-, Rosen-, Frauen- und Kindermesser, Bergstadler, preußische, ungarische und französische Messer. Ihre Zunft wurde aufgelöst und 1867 durch eine Genossenschaft ersetzt. Diese konnte den Zuzug Ortsfremder nicht länger verhindern. Die Hinzugezogenen brachen das Ortskartell jedoch nicht auf, sondern ordneten sich der nach außen starken, jedoch nach innen nicht selten zerstrittenen Gemeinschaft der Scharsachmeister unter.

Ihre Nachkommen waren es dann, die den allgemeinen Untergang der kleinen Handwerksbetriebe und Werkstätten innerhalb der Eisenwurzen von Trattenbach abwenden konnten. Durch die konsequente Ablehnung des Verlagswesens, durch gezielte kleine technische Innovationen und die Ausweitung des Exports über halb Europa hinweg bis nach Afrika überlebten alle Trattenbacher Familienbetriebe die schwere Krise am Ende des vorigen Jahrhunderts. Erst während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren erlitt das blühende Geschäfts- und Gemeinwesen in Trattenbach Schläge, von denen es sich nie wieder erholen sollte. 1931 arbeiteten nur mehr 11 Betriebe, nach dem 2. Weltkrieg waren es noch 6, und seit etwa 20 Jahren exisitiert nur noch ein Feitelfabrikant in Trattenbach, die Familie Löschenkohl.

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